40 Jahre Leben. Zeit für eine Midlife Crisis?

Montags-Impuls #271 Midlife Crisis

Heute feiere ich meinen 40. Geburtstag

Zeit für eine Midlife Crisis?

Die Glücksforschung belegt, dass die durchschnittliche Lebenszufriedenheit in der Mitte des Lebens auf dem Tiefpunkt ist. In den 1950er Jahren hat der kanadische Psychoanalytiker Elliot Jaques dafür den Begriff der Midlife Crisis geprägt.

Wir hängen in der U-Kurve des Glücks, mitten in der Rushhour des Lebens im Spannungsfeld eigener Ansprüche und gesellschaftlicher Konventionen. Wir jonglieren Karriere oder berufliche Selbstverwirklichung mit kleinen Kindern, teilweise pflegebedürftigen oder abwesenden Eltern, unbezahlbaren Wohnraumträumen und unserer Selbstoptimierung. Dabei streben wir vergeblich nach Work-Life-Balance.

In der Lebensmitte verwickeln wir uns nicht selten in eine existenzielle Krise. Uns wird zunehmend bewusst, dass unsere Energiereserven und unser Leben endlich sind. Auch wenn die Medien die ewige Jugend hoch halten, so sind wir doch immer öfter konfrontiert mit körperlichen Wehwehchen. Trennungen und Verluste ziehen engere Kreise durch unseren Freundes- und Bekanntenkreis. Wir befürchten, dass die Höhepunkte unseres Lebens bereits vorbei sind. Je mehr Pflichten unseren Alltag bestimmen, desto stärker werden die Ausbruchsphantasien.

All das trägt dazu bei, dass wir unser Leben in dieser Phase kritischer hinterfragen.

  • Ist es das, was ich wirklich wollte?
  • Habe ich meine eigenen Lebensziele oder eher die Erwartungen anderer verfolgt?
  • War das schon alles, was das Leben für mich bereit hält?

„Wer sich in der Lebensmitte fragt: War das schon alles?,
hat sich für die erste Hälfte zu viel
und für die zweite zu wenig vorgenommen.”
(Ernst Reinhardt)

In diese Selbstreflexion einzusteigen ist gesund im Sinne eines Reifungsprozesses. Doch nicht selten lenken wir uns in der Midlife Crisis ab, indem wir nochmal richtig Gas geben – sportlich, im flotten Flitzer oder bei wilden Seitensprüngen. Über kurz oder lang tauchen die Fragen wieder auf.

Meine Quarterlife Crisis

Mich haben die oben genannten Fragen bereits mit 27 beschäftigt. Ausgelöst durch den Burnout meines Vaters, die Verluste meiner Großeltern innerhalb kürzester Zeit und eine wirkungsvolle Übung: der Lebensbilanz. Dadurch wurde mir die Endlichkeit des Lebens deutlichst vor Augen geführt.

Damals habe ich vieles in Frage gestellt und eigene Antworten gefunden. Auf die Fragen nach meinen Werten und persönlichen Vorstellungen von guter Arbeit und einem gelungenen Leben. Mit den Antworten kamen auch die Impulse Veränderungen anzustoßen, Schritt für Schritt in den verschiedenen Lebensfeldern.

Für die Sinnkrise damals bin ich dankbar, dank ihr bin ich heute zufriedener, weiterhin klarer und orientierter im Leben.

Doch ich bin auch nicht mehr die Person, die ich vor 13 Jahren war. Meine Bedürfnisse haben sich verändert. Meine Werte haben sich weiterentwickelt. Meine Lebensumwelt ist kontinuierlich im Wandel. Ganz natürlich verändern sich damit meine Antworten, selbst wenn die Fragen gleich bleiben.

Alles andere wäre nicht lebendig.
Wir sind ein Teil der Evolution.

Daher stelle ich mir (und anderen) mit Freude gute Fragen, um innerlich Impulse zu setzen, die etwas in Bewegung bringen. Die Lebendigkeit spürbar werden lassen. Die uns zum Nachdenken anregen, unser Bewusstsein entwickeln, andere Perspektiven öffnen und uns einladen etwas Neues auszuprobieren.

In mehrtägigen Workshops bin ich immer wieder überrascht, wie viele Teilnehmende sich Tag für Tag auf den gleichen Stuhl setzen. Dabei kann ein so schlichter Schritt wie ein Platzwechsel uns ein ganz anderes Raumgefühl geben. Selbst wenn wir dem nur einmal gedanklich die Möglichkeit eröffnen.

Gute Fragen zur Lebensmitte

Anlässlich meines Geburtstages habe ich die Einladung von meiner lieben Kollegin Julia Peters angenommen und mir die Fragen aus ihrer #neuestärke Podcast-Folge #115 zur Midlife Crisis beantwortet. Meine Antworten möchte ich mit dir teilen, wohlwissend dass deine Antworten komplett anders ausfallen können – das ist wunderbar:

1. Was hast du schon geschafft in deinem Leben, worauf du stolz bist? Hast du das Gefühl, dass etwas fehlt? Was würde dich gerade jetzt stolz auf dich selbst machen?

Ich bin besonders stolz auf meine persönliche Entwicklung, dass ich ins Vertrauen und in Verbindung mit der Liebe im Leben gekommen bin und diese Erfahrung gemeinsam mit anderen Schritt für Schritt vertiefe.

Zu erfahren, dass ich SO WIE ICH BIN eine wertvolle Inspiration, Impulsgeberin und Wegbegleiterin für meine Mitmenschen bin. Das hätte mein 14-jähriges Teenager-Ich niemals für möglich gehalten. Tatsächlich wünschte ich mir, dass ich dieses Gefühl meinem jüngeren Ich hätte mitgeben können:

Du bist wertvoll – genauso wie du bist.
Du brauchst dich nicht von anderen zu distanzieren, nur weil du das Gefühl hast anders zu sein.
Deine Andersartigkeit ist dein Mehrwert im Miteinander.
Du bist ein Herzensmensch und fühlst sehr sensibel und tief.
Was dich mit 14 Jahren überfordert, wird dir mit 40 Jahren ungeahnte Welten eröffnen.

Momentan habe ich nicht das Gefühl, dass etwas in meinem Leben fehlt. Es ist eher gerade ein Empfinden von zu viel – Input und Zeug. Daher fehlen womöglich doch noch Einfachheit, Naturräume und Muße.

Stolz auf mich selbst macht mich, wenn ich wahrnehme, dass meine Bemühungen nachhaltiger zu leben und mich überwiegend vegan zu ernähren, kleine Wellen in meinem direkten Umfeld schlagen. Dass weiterhin mutig und vor allem liebevoll zu verfolgen, würde mich gerade enorm stolz machen.

2. In welchen Gesprächen und Begegnungen mit anderen fühlst du dich so richtig lebendig? Inwiefern und was genau trägst du aktiv dazu bei, dass das so ist?

Mich erfüllen Gespräche, wenn tiefe Verbundenheit entsteht, sich Menschen zutiefst sehen und erkennen. Wenn jede:r in seiner einzigartigen Qualität in einem vertrauensvollen und wohlwollenden Miteinander einfach sein kann. Mich begeistert immer wieder wie aus dieser Verbindung co-kreativ Erkenntnis und Neues entstehen.

Ich trage dazu bei, wenn ich mich verbunden mit mir selbst offen und neugierig auf den Kontakt einlasse – im Geist und im Herzen. Wahrhaftig sichtbar werde. Das gelingt mit einigen Menschen immer besser, mit anderen – um ehrlich zu sein – schlecht bis gar nicht. Doch die Begegnungen, in denen ich diese besondere Qualität erfahre, stärken mich weiter zu üben.

3. Wonach sehnst du dich in deinem Leben? Was will noch hinaus aus dir? Welcher Teil weint in dir, weil er gerade nicht zum Zuge kommt?

Ich sehne mich nach Menschlichkeit im Miteinander. Dass Menschen natürlicher und lebendiger sind, weniger versteckt hinter Masken und im Funktionsmodus. Dass echte Begegnungen keine Ausnahme, sondern unsere alltägliche Erfahrung sind. Dass dadurch mehr Frieden ins Miteinander kommt. Wir die vermeintliche Trennung überwinden. Uns verbunden fühlen. Weniger Leid und Schmerz entsteht. Wir achtsamer miteinander und mit unserer Natur umgehen.

Der spürende und wahrnehmende Teil in mir will hinaus und öfter die Hauptrolle einnehmen. Doch der denkende Teil kann sich momentan noch besser erklären und verständlich machen. Der spürende Teil hat neben dem weinenden öfter auch ein lachendes Auge, da sich dessen Wahrnehmungen rückblickend als stimmig erweisen.

4. Welchen Schritt kannst du heute noch gehen, um herauszufinden, was du brauchst und suchst?

Ich empfinde sehr klar, was ich brauche. Der eigentliche Schritt ist, mich mit diesen Bedürfnissen mitzuteilen. Meine Wahrheit auszusprechen auch auf die Gefahr hin (noch) nicht verstanden zu werden. Mich nicht innerlich auszubremsen oder zurückzuhalten aus Angst vor Ablehnung oder Verletzung. Auch bei Unverständnis in einer liebevollen Verbindung zu bleiben.

Um das zu üben, habe ich mir einen Kurs in Radical Honesty geschenkt.

5. Gibt es etwas, was du aufgeben oder loslassen kannst, um Raum für Neues zu schaffen?

Ich darf meinen inneren Mach’ schnell Antreiber loslassen.

Selten ist mir der Wert der Langsamkeit so bewusst geworden wie im integralen Entwicklungsprogramm, das ich im letzten Jahr mit dem The People Network durchlaufen habe.

Wenn ich von dem Ort der Ruhe und des Friedens in mir agiere, entstehen die Wunder, die ich aus der Angespanntheit und Hektik heraus nie kreieren könnte. Das Leben kann ganz anders in Resonanz mit meinem inneren Anliegen gehen. Beziehungsweise wird mir mein Herzensanliegen erst so wirklich bewusst, wenn ich innehalte.

Mein Geburtstag heute ist wie jedes Jahr ein arbeitsfreier Tag, obwohl oder gerade weil ich meinen Beruf liebe.

An diesem Tag nehme ich mir besonders viel Zeit für die Menschen, die mir wichtig sind. Auch für mich.

Denn was ich mir stets vor Augen halte: Ein glückliches und gesundes Leben hat wenig damit zu tun, ob wir reich oder berühmt sind, sondern im Wesentlichen mit der Qualität unserer sozialen Beziehungen (You-Tube Video). Diese weiter zu vertiefen ist das, was ich mir für meine nächsten 10 Lebensjahre von Herzen wünsche.

Ich wünsche dir, dass du den Krisen in deinem Leben mit eigenen Antworten begegnest,
Katja

P.S. Zum Geburtstag hat mir das Universum ein Geschenk gemacht: Im Konnektiv62 eröffnet vom 30. Mai 2022 bis 4. Juni 2022 ein Pop up Store von Wildling Shoes, eines der Unternehmen, deren ökologisch-sozialer Anspruch mich total begeistert. Wenn du in der Nähe bist, schau‘ vorbei!

 

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