Ikigai. Das Geheimnis für ein langes, gesundes und glückliches Leben

Montags-Impuls_ Ikigai

Auf der japanischen Insel Okinawa leben die meisten Hundertjährigen. Grund genug für Wissenschaftler näher zu erforschen, was neben einer gesunden Ernährung und guten sozialen Beziehungen (vgl. TED Talk) wohl noch zu einem langen, gesunden und glücklichen Leben beiträgt.

Ikigai

Ikigai ist eine japanische Lebensphilosophie. Es geht um die Frage, was dem individuellem Leben einen Wert gibt – wörtlich übersetzt: Iki (= Leben) und gai (= Wert). Das Ikigai, der Sinn unseres eigenen Lebens, entfaltet sich durch unser wahres Selbst, unsere einzigartige Persönlichkeit und Lebenserfahrung. Das eigene Ikigai zu erkennen und zu spüren, bewirkt ein Gefühl der inneren Zufriedenheit (in-Frieden-sein) und Lebensfreude. Durch diese positive Lebenshaltung erhöhen wir die Chance auf ein langes, gesundes und glückliches Leben.

Selbsterforschung

Das Streben bzw. die Suche nach dem Ikigai ist verbunden mit einer kontinuierlichen und tief gehenden Selbsterforschung. Sich dafür Zeit zu nehmen, hat in der japanischen Kultur einen hohen Stellenwert.

Das Ikigai setzt sich aus vier Bereichen zusammen:

Wofür schlägt dein Herz / Was liebst du? > Deine LEIDENSCHAFT
Was braucht die Welt, das du zu geben hast? > Deine MISSION
Wofür sind andere bereit zu zahlen? Womit kannst du Geld verdienen? > Deine PROFESSION
Was kannst du besonders gut? > Deine BEGABUNG

Du kannst dir die 4 Bereiche, wie Kreise vorstellen (Link zum Bild), die sich ringförmig überlappen. Dort wo die gemeinsame Schnittmenge ist, befindet sich der Weg zu deinem persönlichen Ikigai.

Entdeckungsreise

Das wichtigste zuerst: Nimm‘ dir Zeit. Druck und Anstrengung ist nicht die Energie, mit der du dein Ikigai herauslocken kannst. Suche dir einen ruhigen Wohlfühlort, gern auch außerhalb deines Alltags. Mach‘ es dir gemütlich mit deiner Lieblingsmusik und zünde eine Kerze an. Vielleicht magst du auch meditieren, um dich in eine offene, neugierige und eher „empfangende“ Haltung zu bringen. Unvoreingenommen beobachtend, auf die inneren Impulse lauschend. Vertrauend. Sei nicht zu voreilig!

Das Entdecken des eigenen Ikigai, der eigenen Berufung, dem persönlichen Sinn im Leben ist ein kontinuierlicher, lebenslanger Prozess – ein Weg. Immer wieder offenbart sich eine neue Facette. Das Ikigai formt sich klarer heraus, auch aufgrund unserer Lebenserfahrung.

Betrachte Kreis für Kreis und schreibe deine Antworten am besten handschriftlich auf. Mit der Handschrift bist du näher bei dir und deinem Herzen als am Laptop.

Deine LEIDENSCHAFT – Wofür schlägt dein Herz?

  • Für welche Themen, Tätigkeiten und Dinge begeisterst du dich?
  • Worüber kannst du aus dem Stegreif und stundenlang reden?
  • Womit verbringst du Stunden ohne zu merken, dass die Zeit vergeht oder müde zu werden?
  • Was hast du bereits als Kind mit strahlenden Augen getan?
  • Wofür kannst du andere Menschen begeistern?

Bei diesen Fragen geht es nicht darum, dass du die Dinge schon perfekt beherrschst oder Expert*in für die Themen bist. Es geht lediglich um deine Begeisterung. Denn Begeisterung ist dein Antrieb um Neues zu lernen. Und Begeisterung ist ansteckend. Was dich im Herzen bewegt, damit kannst du auch andere Menschen bewegen.

Deine MISSION – Was braucht die Welt, das du zu geben hast?

  • Wovon bist du tief im Innersten überzeugt?
  • Welche Qualitäten würden (deinen Mitmenschen) fehlen, wenn du nicht mehr da wärst?
  • Welche Erkenntnisse und Erfahrungen hast du gewonnen, die du mit anderen teilen kannst?
  • Welchen Unterschied möchtest du im Leben anderer machen?
  • Was empfindest du persönlich als sinnstiftend?
  • Worauf möchtest du am Ende deines Lebens stolz sein?

Während deine Leidenschaft auf dich selbst bezogen ist, richtet sich deine Mission auf andere: Was hast du der Welt zu geben?

Deine PROFESSION – Wofür sind andere bereit zu zahlen?

  • Womit verdienst du dein Einkommen?
  • Welche (anderen) Berufe gibt es, in denen du die vielseitigen Aspekte (teilweise) ausleben kannst?
  • Womit schaffst du einen echten Mehrwert für andere?
  • Welche deiner Ideen / Anliegen sind förderfähig?
  • Wofür bist du bereit Geld auszugeben?
    (Warum sollten das andere nicht sein?)

Wie du anhand der Fragen sehen kannst, spielt das Geld verdienen eine untergeordnete Rolle. Und dennoch ist es relevant, solange das Grundeinkommen noch Utopie ist. Wenn wir für das, was wir tun, keinen angemessenen Wertausgleich erhalten, stiftet das Unzufriedenheit. Gleichzeitig sollten wir unsere einzigartigen Talente, unsere Leidenschaft und unseren Beitrag zu einer besseren Welt nicht dem Geld verdienen opfern.

Werde auch kreativ. Menschen sind aus meiner Erfahrung bereit Geld auszugeben, wenn sie einen echten Mehrwehr für sich erkennen.

Deine BEGABUNG – Was kannst du besonders gut?

  • Welche Talente sind dir in die Wiege gelegt?
  • Was kannst du besser / geht dir leichter von der Hand als andere(n)?
  • Welche Stärken hast du im Laufe deines Lebens entwickelt?
  • Welche ungewöhnlichen Fähigkeiten hast du?
  • Wofür bekommst du von anderen Anerkennung und positive Resonanz?

Vielen Menschen fällt es schwer, ihre Stärken zu wertschätzen. Wir meinen, dadurch, dass uns etwas leicht fällt, ist es nichts besonderes. Gerade deswegen! Schreibe wirklich alles auf, was dir einfällt. Auf meiner Liste steht z.B. „Handschriften entziffern“, „puzzeln„, „vertrauensvolle Atmosphäre aufbauen“, „Kapazität im Kurzzeitgedächtnis“, „Impulse schreiben“, „positiven Blickwinkel einnehmen“ und „Klarheit schaffen“.

Wenn du dennoch nicht weiter kommst, frage deine Mitmenschen.

Sweet Spot

Wenn du dich schon häufiger mit diesen Fragen auseinandergesetzt hast, gelingt dir das vielleicht auf Anhieb. Wahrscheinlicher ist, dass du dich immer mal wieder dransetzt. Setze dich auf jeden Fall nicht unter Druck. Wie ein Pflänzchen, dass zunächst unter der Erde wurzeln schlägt, bevor es durch die Erde ans Licht wächst, brauchen auch diese Prozesse Zeit, um innerlich zu reifen. Vertraue dem Prozess!

Unterwegs wirst du auf Glaubenssätze oder innere Blockaden stoßen, die zunächst bewusst wahrgenommen und aufgelöst werden wollen, um den Weg zu deinem Ikigai frei zu legen.

Die Schnittmenge aus deiner Leidenschaft, deinen Talenten, deinem Beitrag für andere und der Möglichkeit, Geld zu verdienen heraus zu kristallisieren, ist weniger ein kognitiver Prozess, sondern mehr ein „entstehen lassen, was sich zeigen will“. In der Theorie U spricht Otto Scharmer von Presencing. Manchmal fehlen uns die Worte dafür. Wir nehmen eher ein Bild oder ein Gefühl wahr. Wunderbar!!! Das ist die Sprache deiner rechten „emotionalen“ Gehirnhälfte. Mit der Zeit wirst du das Bild oder Gefühl mit Worten verknüpfen können. Doch tatsächlich ist ein klares Bild oder intensives Gefühl in dir mehr wert als Worte, die dich nicht im Herzen berühren.

Zum Schluss möchte ich noch mit einem Glaubenssatz aufräumen. Ich höre oft, dass Menschen meinen, wenn ich erstmal meine Berufung oder mein Ikigai gefunden habe, dann springe ich jeden Morgen torfreudig aus dem Bett. Dann wird alles viel leichtgängiger. Dann empfinde ich jeden Tag Freude und Glück. Entschuldige, wenn ich dich desillusionieren muss: Nein!

Es ist wie Friedrich Nietzsche sagte:

„Wer ein WARUM zum Leben hat, erträgt fast jedes WIE.“

Das Ikigai führt zu einer positiven Lebenshaltung – auch in Anbetracht von Herausforderungen, die das Leben uns stellt. Es fördert unsere psychische Gesundheit und reduziert das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Damit steigt die Lebenserwartung.

In diesem Sinne: Wofür bist du bereit dich einzusetzen, deine Grenzen zu überwinden und über dich hinauszuwachsen? Wofür lohnt es sich, deine wertvolle Lebenszeit zu investieren?

Ich wünsche dir viel Offenheit und Vertrauen für deinen Weg,
Katja

Du möchtest weiter lesen? Dann empfehle ich dir das Buch „Ikigai – gesund und glücklich hundert werden.“ (Werbung ohne Auftrag / Provision).

Bild: Canva

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