Manchmal halten uns nicht die äußeren Umstände fest.
Sondern ein Gedanke.
Ein Satz, der sich so vertraut anfühlt, dass wir ihn kaum noch als Gedanken erkennen.
Er klingt dann nicht wie eine Annahme.
Sondern wie Wahrheit.
Einer dieser Sätze kann lauten:
„Ich weiß noch nicht genug, um mich zu entscheiden.“
Auf den ersten Blick klingt dieser Satz vernünftig.
Sorgfältig. Verantwortungsbewusst. Klug.
Er schützt davor, vorschnell zu handeln.
Er lädt dazu ein, Informationen zu sammeln, abzuwägen, noch einmal nachzufragen, noch eine Perspektive einzuholen.
Und manchmal ist genau das hilfreich.
Doch manchmal wird aus Sorgfalt eine Schleife.
Aus Abwägen wird Aufschieben.
Aus dem Wunsch nach Klarheit wird die Suche nach absoluter Sicherheit.
Dann hält uns der Satz nicht mehr in guter Verantwortung.
Sondern in einem Leben, das sich eigentlich schon zu eng anfühlt.
Wenn ein Glaubenssatz unser Leben lenkt
In meinen BerufungsCoachings und Workshops begegnen mir immer wieder Menschen, die spüren:
„Ich bin hier nicht mehr richtig.“
„Etwas in mir will weiter.“
„Mein aktueller Platz passt nicht mehr zu dem, was in mir lebendig ist.“
Und zugleich gibt es gute Gründe zu bleiben.
Sicherheiten. Verpflichtungen. Erwartungen.
Innere Stimmen, die sagen:
„Du kannst doch nicht einfach gehen.“
„Du musst erst wissen, was danach kommt.“
„Du bist noch nicht so weit.“
„Du weißt noch nicht genug.“
Solche Glaubenssätze sind selten isoliert.
Sie hängen oft miteinander zusammen wie ein feines Geflecht.
„Ich weiß noch nicht genug, um mich zu entscheiden“ kann verbunden sein mit:
„Ich darf keine Fehler machen.“
„Ich muss erst kompetent genug sein.“
„Ich muss die richtige Entscheidung treffen.“
„Wenn ich scheitere, habe ich versagt.“
„Ich bin noch nicht genug.“
Und genau deshalb lohnt es sich, nicht nur über die äußere Entscheidung nachzudenken, sondern über den inneren Satz, der die Entscheidung bisher prägt.
Ein Gedanke ist nicht automatisch wahr
Eine kraftvolle Möglichkeit, mit solchen Gedanken zu arbeiten, ist The Work von Byron Katie.
Im Kern geht es darum, einen belastenden Gedanken nicht sofort loswerden zu wollen.
Sondern ihn ernst zu nehmen.
Ihn zu befragen.
Ihm zuzuhören.
Und zu prüfen, ob er wirklich so wahr ist, wie er sich anfühlt.
Bei dem Satz
„Ich weiß noch nicht genug, um mich zu entscheiden“
können zum Beispiel folgende Fragen entstehen:
Ist das wahr?
Lausche achtsam in Dich hinein.
Und noch etwas tiefer:
Kann ich mit absoluter Sicherheit wissen, dass das wahr ist?
Schon diese Frage öffnet etwas.
Denn was heißt eigentlich „genug“?
Wieviel Wissen wäre genug?
Wer entscheidet, wann es genug ist?
Woran würde ich merken, dass ich genug weiß?
Und könnte es sein, dass ich längst genug weiß, aber dem Wissen in mir noch nicht vertraue?
Manchmal suchen wir weiter nach Informationen, obwohl die entscheidende Information längst da ist:
Der Körper weiß es.
Die Freude weiß es.
Die Erschöpfung weiß es.
Die Sehnsucht weiß es.
Die innere Unruhe weiß es.
Der Moment, in dem wir aufatmen, weiß es.
Nur unser Kopf möchte noch Beweise.
Was geschieht, wenn ich diesen Gedanken glaube?
Eine weitere Frage aus The Work lautet:
Wie reagiere ich, was passiert in mir, wenn ich diesen Gedanken glaube?
Diese Frage ist wesentlich, weil Glaubenssätze nicht nur im Kopf wirken.
Sie verändern unseren Körper, unsere Haltung, unsere Beziehungen, unsere Entscheidungen.
Wenn ich glaube:
„Ich weiß noch nicht genug, um mich zu entscheiden“
dann werde ich vielleicht enger.
Vorsichtiger. Angespannter.
Ich beginne, mich selbst zu überprüfen.
Ich sammle noch mehr Informationen.
Ich suche nach Bestätigung im Außen.
Ich vergleiche mich mit anderen.
Ich warte auf ein eindeutiges Zeichen.
Vielleicht verliere ich dabei den Kontakt zu dem, was mich eigentlich ruft.
Ich werde nicht handlungsfähiger, sondern abhängiger von Sicherheit.
Nicht freier, sondern kontrollierter.
Nicht klarer, sondern verwickelter.
Und manchmal wird das Leben dadurch kleiner.
Nicht dramatisch.
Nicht von heute auf morgen.
Sondern schleichend.
Ich bleibe in einem Job, der nicht mehr mein Platz ist.
Ich verschiebe Gespräche, die längst dran wären.
Ich nehme mir zu wenig Raum für das, was mich energetisiert.
Ich erlaube mir nicht, zu lernen, während ich gehe.
Wer wäre ich ohne diesen Gedanken?
Für mich ist dies oft die berührendste Frage:
Wer wäre ich ohne diesen Glaubenssatz?
Nicht: Was wäre sofort die perfekte Lösung?
Nicht: Welche Entscheidung müsste ich dann morgen treffen?
Sondern:
Wer wäre ich, wenn ich diesem Gedanken nicht mehr glauben müsste?
Einer meiner Klienten hat mir seine Antwort vorgelesen.
In diesem Moment hatte ich am ganzen Körper Gänsehaut.
Und ich habe ihn gebeten, seine Worte in diesem Montags-Impuls mit Dir teilen zu dürfen:
…
Ohne diesen Glaubenssatz
„Ich weiß noch nicht genug, um mich zu entscheiden“
wäre die Frage
„Ist das das Richtige?“
viel unwichtiger.
Ich würde weniger hinterfragen.
Mehr darauf vertrauen, was mich ruft.
Was mir richtig erscheint.
Was mir Spaß macht, mir Freude bereitet.
Ich würde mehr ausprobieren.
Mehr erleben.
Mehr lernen.
Mehr über mich lernen.
Schneller lernen.
Dem „richtigen“ schneller auf die Spur kommen.
Ich wäre viel offener.
Neugieriger.
Wissenshungriger.
Rastloser – im positiven Sinne.
Ich hätte mehr Selbstvertrauen.
Mehr Selbstbewusstsein.
Mir würde Scheitern leichter fallen.
Es würde sich weniger wie Versagen anfühlen.
Ausprobieren und Scheitern wären selbstverständlich.
Anfangen und wieder aufhören wären selbstverständlich.
Mein Leben wäre erfüllter.
Aufregender.
Lebendiger.
…
Nicht weil wir plötzlich mehr wissen.
Oder weil alles klarer und sicherer wäre.
Sondern weil wir beginnen, uns von unserer Sehnsucht nach Leben und Lebendigkeit leiten zu lassen.
Was braucht es hier und jetzt wirklich?
Die Umkehrung des Glaubenssatzes könnte lauten:
„Ich weiß momentan genug, um den nächsten Schritt zu gehen.“
Wenn ich ernst nehme, was ich bereits deutlich spüre:
Was mich erschöpft.
Was mich stärkt.
Wo ich enger werde.
Wo ich aufatme.
Es braucht nicht sofort eine endgültige Entscheidung.
Sondern einen, wenn auch nur kleinen, selbstehrlichen Schritt.
Eine Grenze.
Eine Pause.
Ein Gespräch.
Ein Experiment.
Eine Bewerbung.
Einen mutigen Versuch.
Denn Klarheit entsteht nicht im Denken.
Sondern beim Gehen.
Wenn wir in Kontakt und Resonanz kommen mit dem, was uns ruft.
Ich wünsche Dir Vertrauen in Deine Wahrnehmung und den Mut zum nächsten Schritt,
Katja
Danke Tobi für Deine Inspiration.


