Neulich bin ich über eine Frage gestolpert, die mich seitdem begleitet:
„Angenommen, Du würdest Dein Leben nicht wie ein Gebäude aufbauen und bewahren, sondern wie einen Garten kultivieren – was würde das verändern?“
Ich mag Fragen, die auf den ersten Blick leicht wirken, und dann plötzlich einen größeren Raum öffnen.
Denn hinter dieser Frage stecken zwei sehr unterschiedliche Haltungen auf das Leben, Beziehungen oder auch Arbeit zu schauen.
Ein Gebäude steht für Stabilität.
Für Struktur.
Für Schutz.
Für etwas, das geplant, gebaut und erhalten wird.
Und ja, dafür gibt es sehr gute Gründe.
Doch Gebäude sind oft eher statisch.
Einmal gebaut, sollen sie möglichst lange genauso bleiben.
Äußere Einflüsse wie Regen, Wind und Unvorhersehbares werden eher abgehalten als integriert.
Ein Garten folgt einer anderen Logik.
Er entsteht im Zusammenspiel mit Lebendigem: Erde, Wasser, Licht, Planzen, Insekten Mikroorganismen, Jahreszeiten. In Kreisläufen von Wachstum, Vergehen und Neubeginn. Mit Einflüssen, die wir nie vollständig vorhersagen und kontrollieren können.
Wobei ich merke: Auch Gärten können wir mit einer Gebäude-Logik behandeln.
Perfekt gemähter Rasen.
Klare Kanten.
Kontrolle über jedes „Unkraut“.
Möglichst ordentlich.
Möglichst vorhersehbar.
Das Bild, das ich hier eher im Sinn habe, ist ein natürlicher, lebendigerer Garten.
Ein Ort, an dem Vielfalt wachsen darf.
An dem nicht alles perfekt aussieht.
An dem Wildheit nicht automatisch als Störung verstanden wird.
Während wir häufig versuchen, möglichst viel vorherzusehen und zu kontrollieren (predict & control) erinnert uns ein solcher Garten an eine andere Haltung:
wahrnehmen
zuhören
anpassen
mitgestalten
Anders gesagt: sense & respond.
Und noch etwas unterscheidet Gebäude und Gärten.
Gebäude vermitteln oft den Eindruck von Autonomie.
Sie sollen stabil stehen.
Möglichst unabhängig funktionieren.
Möglichst wenig von äußeren Einflüssen gestört werden.
Auch wenn sie ebenfalls an größere Versorgungsnetze wie Strom und Wasser angeschlossen sind.
Ein Garten macht seine Verbundenheit sichtbarer.
Er braucht gesunde Böden.
Wasserkreisläufe.
Bestäuber.
Mikroorganismen.
Vielfalt.
Andere Lebewesen.
Und wandelt sich mit den Jahreszeiten.
Ein Garten ist Teil eines größeren Ökosystems.
So wie wir Menschen und unser Leben auf dieser Erde.
“All flourishing is mutual.”
Robin Wall Kimmerer (Buchempfehlung: Geflochtenes Süßgras)
Als Impuls für diese Woche lade ich Dich zu einem Gedankenexperiment ein:
Wenn Dein Leben ein Garten wäre …
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Was möchte gerade genährt werden mit mehr Aufmerksamkeit, Zeit oder Vertrauen?
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Welche Früchte sind vielleicht längst da und dürfen bewusster genossen werden, statt sofort neue Beete anzulegen?
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Was darf sich verändern, verwildern, brachliegen oder zurückgeschnitten werden, damit wieder mehr Lebendigkeit entstehen kann?
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Welche Samen möchtest Du heute setzen, auch wenn Du ihre Früchte vielleicht erst in einigen Jahren erleben wirst?
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Und welche Menschen, Orte oder Gemeinschaften nähren Deinen Garten, welche werden von ihm genährt?
Vielleicht spürst Du sie auch, die Sehnsucht mehr Lebendigkeit in Dein Leben einzuladen?
Ich übe mich als Gärtnerin für das Leben.
Und wünsche Dir viel Freude beim spielerischen Reflektieren mit dieser Metapher,
Katja
P.S. Ich darf heute am 25. Mai 2026 meine 21-jährige Beziehung feiern und bin sehr dankbar, dass sich diese nach so langer Zeit noch so lebendig anfühlt.


