Kennst du das?
Diese Momente, in denen du spürst, dass du für dich selbst einstehen musst, deine eigene Wahrhaftigkeit finden und leben willst?
Und dann wieder diese anderen Augenblicke, in denen die Verbindung mit anderen dich tief erfüllt und du merkst, dass du ohne das „Wir“ womöglich gar nicht ganz Dich selbst erkennen kannst?
„Der Mensch wird am Du zum Ich.“
– Martin Buber
Diese Polarität und energetische Spannung zwischen „Ich“ und „Wir“ begleitet uns ein Leben lang. Sie zeigt sich in der Frage, wie viel Raum wir uns selbst geben und wie sehr wir uns in eine Gemeinschaft integrieren. Sie spiegelt sich in unseren Beziehungen, in unserer Arbeit, in kreativen Prozessen und besonders in der Art, wie wir unsere Berufung leben.
Kein entweder oder, sondern sowohl als auch
Wenn wir zu sehr im „Ich“ verharren, laufen wir Gefahr, uns zu isolieren. Wir können unsere (begrenzt wahrnehmbare) Individualität ausleben, aber irgendwann fehlen uns Inspiration, Austausch und die Resonanz, die unsere Ideen erst in die Welt trägt.
Umgekehrt, wenn wir uns zu sehr im „Wir“ auflösen, verlieren wir uns selbst. Wir passen uns an, fügen uns ein und merken irgendwann, dass etwas Wesentliches fehlt: unser eigener Wille, unsere eigene Stimme.
„Das Ich gedeiht nicht in der Isolation,
sondern in der Gemeinschaft.“
– Albert Schweitzer
Die Dynamik in der Berufung
Unsere Berufung ist nichts Statisches, sondern entwickelt sich in dieser Polarität und Dynamik zwischen dem „Ich“ und „Wir“. Beides sind keine Gegensätze, sondern sie ergänzen sich. Das „Ich“ und „Wir“ sind untrennbar miteinander verwoben.
Vielleicht hast du eine Idee oder Zukunftsvision, die aus deinem tiefsten Inneren kommt – aber ohne Menschen, die sie teilen oder unterstützen, bleibt sie ein Gedanke. Oder du bist Teil eines Teams, das große Dinge bewegt, aber du merkst, dass deine eigene Vorstellung und Kreativität darin untergeht.
„Zwischen Selbstverwirklichung und Zugehörigkeit
liegt der wahre Sinn des Lebens.“
– Viktor Frankl
Wie kannst du also beides ins Gleichgewicht bringen?
Wie kann dein „Ich“ in das „Wir“ einfließen, ohne sich zu verlieren?
Und wie kann das „Wir“ dich tragen, ohne dich zu erdrücken?
Praktische Wege zur co-kreativen Balance
- Bewusst Zeit für das „Ich“ nehmen: Vielleicht dein persönliches Morgenritual, ein Spaziergang oder Ausflug für Dich allein oder ein kreativer Ausdruck, der nur für dich ist. Selbstfürsorge und Me-Time können dein inneres Fundament stärken.
- Das „Wir“ aktiv gestalten: Suche Begegnungen und Räume, in denen du dich mit anderen verbunden fühlst, seien es Netzwerke, Vereine, Gemeinschaftsprojekten oder inspirierende Gespräche. Es gibt sie, die Menschen, die ähnliche Interessen haben wie du, denen die Dinge wichtig sind, die dir am Herzen liegen. Gleichgesinnte stärken dich in diesen Zeiten des Wandels.
- Regelmäßig innehalten und reflektieren: Wo stehst du gerade? Lebst du ein lebendiges Gleichgewicht? Oder fühlst du dich eher isoliert? Oder überangepasst? Was brauchst du, um in deine persönliche Balance zwischen „Ich“ und „Wir“ zu kommen?
Diese Balance zwischen „Ich“ und „Wir“ ist keine starre Formel, sondern ein ständiger Tanz, auch in unterschiedlichen Lebensphasen. Manchmal braucht es Mut, um für sich einzustehen, manchmal Hingabe, um sich in die Gemeinschaft einzubringen.
Wenn sich das „Ich“ und „Wir“ in einem lebendigen Wechselspiel bewegen, dann kommt eine dritte Kraft ins Spiel, das „Es“. Es entfaltet sich co-kreativ auf eine Weise, die sowohl dir selbst als auch deiner Mitwelt dient. Das sind die Momente der Synchronizität, wo wir spüren, dass wir im Einklang mit dem Fluss des Lebens sind.
„Die größte Entfaltung des Ich geschieht, wenn es sich dem Wir anvertraut.“
– Dalai Lama
Meine Montags-Frage für Dich:
Wie erlebst du die Polarität zwischen „Ich“ und „Wir“ momentan in deinem Leben?
Was verändert sich, wenn du dir dessen bewusster wirst?
Ich wünsche dir, dass du dir in dieser Woche bewusst Zeit nimmst – für das „Ich“ und das „Wir“,
Katja