Neuanfang. Von der IT zur Winzerin | Testimonial: Ariane

Montags-Impuls_ Neuanfang

In diesem Montags-Impuls gibt es wieder einen Erfahrungsbericht meiner Kunden und Einblicke in die verschiedenen Wege der beruflichen (Neu-) Orientierung, Weiterentwicklung und Veränderung.   

Heute teilt Ariane ihre Erfahrungen von ihrem beruflichen Neuanfang. Als Teamleiterin im Software Support einer IT-Firma war sie zunehmend unzufrieden. Nach dem BerufungsCoaching wagte sie den Schritt zurück auf die Schulbank für eine Ausbildung zur Winzerin. 

Vorab sei gesagt, dass so ein „radikaler“ Umbruch eher die Ausnahme als die Regel ist. Doch manchmal ist es notwendig, die Reißleine zu ziehen.  

Dieses Interview wurde von Jessica Thoß geführt und geschrieben. 

Liebe Ariane, was machst du gerade beruflich?

Ich bin Winzerin, genauer gesagt Winzer-Geselle. Ich habe vor einem Jahr erfolgreich meine Abschluss-Prüfung abgelegt und bin jetzt in einem der besten Weingüter Deutschlands (https://www.keller-wein.de/) als Geselle angestellt. Grob gesagt, bin ich 60 % der Zeit im Außenbetrieb, d.h. ich übernehme die Pflege der Reben. Ansonsten helfe ich überall gerne, wo es „brennt“. Meine Tätigkeiten sind sehr abwechslungsreich. Dass war auch ein Punkt, warum ich mich für diesen Beruf entschieden habe. Ich liebe die Abwechslung.

Was hast du vorher beruflich gemacht?

Nach meiner Schulzeit habe ich meine erste Ausbildung zur Hotelfachfrau absolviert. 2003 beschloss ich, mit meinem damaligen Freund für ein Jahr nach Irland zu gehen. Dort arbeitete ich an der Rezeption in einem Hotel in Dublin. Das hat mir damals viel Spaß gemacht. Als sich mein Partner beruflich umorientierte, zogen wir an die Westküste (nach Galway). Für mich war es schwieriger, dort eine Stelle in den Hotels zu finden. Aber mir gelang der Quereinstieg in einer IT-Firma. Diese entwickelt Software für Hotels und Gaststätten. Ich bewarb mich auf eine Stelle als Kundenbetreuerin und wurde eingestellt. Schlussendlich wurden aus einem geplanten Jahr Irland insgesamt fünf Jahre, vier davon arbeitete ich im Kundensupport der IT-Firma.

2008 entschieden wir, dass die Zeit reif war, wieder nach Deutschland zurückzukehren. In der Nähe von Düsseldorf befindet sich noch ein Hauptsitz dieser IT-Firma. Ich konnte dort weiter als Kundenbetreuerin arbeiten. 2009 wurde ich bereits zum dritten Mal gefragt, ob ich nicht eine Teamleiter-Position übernehmen wöllte. Die ersten Male hatte ich abgelehnt, da ich mich in keiner Führungsposition gesehen habe. Ich wollte lieber den Kunden-Support an der Basis weitermachen. Das hat mir am besten gefallen. Bei der dritten Anfrage konnte ich trotzdem nicht mehr „Nein“ sagen, wahrscheinlich, weil ich niemanden enttäuschen wollte. Anfangs war die Teamleiter-Position interessant. Ich hatte eine neue Rolle und neue Aufgaben. Irgendwann wurde es dann anstrengender. Es kamen immer mehr Tätigkeiten dazu. Ich musste mich zunehmend mit Konflikten innerhalb des Teams auseinandersetzen. An dieser Stelle wurde mir bewusst, warum ich das eigentlich nie machen wollte.

Vom IT-Bereich zur Winzerin. Was hat dich zu diesem Wechsel bewegt?

Ich war nicht mehr glücklich in meinem Job. Er kostete mich unheimlich viel Energie. Katja und ich kannten uns privat. Sie hat mir öfter von positiven BerufungsCoachings berichtet. Ich selbst konnte aber nicht so richtig daran glauben, dass man sich zusammensetzt und auf einmal weiß, was man machen möchte. Ich hatte mir selbst Gedanken gemacht, aber mir fehlten die konkreten Einfälle. Zurück in die Hotelbranche wollte ich aufgrund der Schichtarbeit nicht mehr. Letztendlich ging dann noch ein Jahr ins Land. Dabei ging es mir psychisch immer schlechter mit meiner Arbeit. Ich merkte, wie die Aufgaben mich immer mehr belasteten. So kam ich an den Punkt: Jetzt muss sich was ändern.

Im Februar 2015 vereinbarte ich einen Termin für das BerufungsCoaching. Das war ein Prozess von „Ich weiß nicht, was ich will. Wie soll mir da einer helfen?“ hin zu „Ich will es einfach mal probieren.“ Es war weniger eine Skepsis gegenüber dem BerufungsCoaching, sondern mehr eine Skepsis gegenüber mir selbst. Ich zweifelte einfach daran, dass ich etwas finden würde, was zu mir passt. Ich befand mich in einer Art Loch.

Wie verlief das Berufungscoaching?

Als Katja mir den Fragebogen zur Vorbereitung zuschickte, wusste ich erst nicht, was ich ausfüllen sollte. Irgendwie fühlte ich mich niedergeschmettert. Ich war sehr ausgelaugt zu diesem Zeitpunkt und die Antworten fielen mir schwer. Katja nahm mir den Druck beim Ausfüllen. Ab diesem Zeitpunkt lief es gut. Ich erlebte einen Stimmungswechsel und bemerkte begeistert, was die Fragen Positives bei mir bewirkten. Das BerufungsCoaching an sich war echt perfekt. Es brodelte nur so aus mir heraus. Plötzlich wurde mir so vieles klar in den zwei Tagen.

Was wurde dir klarer?

Gedanken, die mich hemmten, z.B.: „Ich bin viel zu alt, um etwas Neues zu lernen“ und: „Ich bin finanziell unabhängig in meinem Job“. Diesbezüglich wurde mir auch bewusst, dass Geld allein nicht glücklich macht. Genau so wenig wie mein ständiger Konsum, mit dem ich viel kompensierte. Diese Tatsache mal laut auszusprechen, hat mir schon viel Klarheit gegeben. Ich habe meine eigentlichen Bedürfnisse wieder gespürt. Überhaupt hat mich Katja ermutigt, weil sie mich ernst genommen hat.

Winzerin, war das einer deiner möglichen Traumjobs?

Dieser Berufswunsch hat sich so entwickelt. Mir war klar, ich mag die Gastronomie. Ich möchte etwas Sinnvolles machen. Vielleicht ein eigenes Café oder auch im Wellness-Bereich tätig sein. Die Winzerin war schon ganz früh dabei. Natur, Genuss und ein konkretes Produkt, das liegt mir sehr am Herzen. Ich kann bei der Reben-Pflege draußen arbeiten und sehe am Ende des Tages, was ich gemacht habe. Bis hin zum Wein, der abgefüllt in der Flasche steht. Das alles hatte ich im Büro nicht.

Wir kamen der Idee der Winzerin durch verschiedene Übungen und Gespräche immer näher. Auschlaggebend waren zwei Übungen, zum einen: die Lebensbilanz. Da wurde mir bewusst: Es kann nicht sein, dass ich das ganze Jahr arbeiten gehe und es mir dabei schlecht geht, nur um dann eine kurze Auszeit im Urlaub zu haben, die ich genießen kann. Das visualisiert machte mir klar: Wenn ich was ändern will, muss ich es jetzt machen! Die Entscheidung fiel bei der (verdeckten) Aufstellung der entwickelten Berufsideen. Mit Blick auf das Flipchart mit der Lebensbilanz stand ich auf der letzten Karte und dachte: Das, was jetzt auf dieser Karte steht, das wird es. Es war die Winzerin. Mit diesem Gedanken habe ich mich sofort damit wohlgefühlt.

Mit welchen Herausforderungen hattest du nach dem Coaching zu kämpfen? Gab es Stolpersteine?

Ja, ich war erstmal überfordert, weil ich nicht wusste: Wie packe ich das jetzt an? Dafür war das BerufungsCoaching ebenfalls eine gute Hilfe. Zusammen haben wir einen Plan aufgestellt, der mir kurze Auszeiten für das Angehen der Veränderung gab. Darüber hinaus auch die nötige Sicherheit, meinen Job nicht sofort aufgeben zu müssen. Gemeinsam überlegten wir, dass ich ein kurzes Praktikum zum Ausprobieren auf einem Weingut machen könnte. Zufälligerweise hatte mein damaliger Freund ein paar Kontakte zu Weingütern in der sächsischen Region. Ich nahm Urlaub und absolvierte eine Woche Praktikum auf einem kleineren Weingut (http://www.ricco-haensch.de/), was mir viel Spaß machte. Der Funke sprang über. Ich spürte, das ist es, ich bleibe dabei! Und ich wusste, bis Juni wollte ich eine Entscheidung treffen.

Im Job erkundigte ich mich nach meiner Kündigungsfrist und beschloss unmittelbar die Kündigung einzureichen. Ohne zu wissen, wo es danach konkret hingeht. Das war einer der schönsten Momente, die ich seit langem dort erlebt hatte. Ich habe mich so frei gefühlt, als ich diese Kündigung abgegeben habe.

Ab dann lief es einfach. Nach dem Praktikum habe ich mich direkt um einen Ausbildungsplatz gekümmert. Eine Freundin empfahl mir, die Ausbildung in der Pfalz zu machen. Ich habe viel recherchiert, ein paar Weingüter angerufen. Doch es waren kaum noch Ausbildungsplätze frei. Schließlich sollte es ja schon im August losgehen. Ein Weingut habe ich telefonisch nicht erreicht, blieb aber dran. Ich sendete eine Mail und erzählte meine Geschichte. Mit Erfolg. Am nächsten Tag kam die Antwort vom Geschäftsführer, dass er meine Geschichte sehr beeindruckend fand und mich gerne zum Vorstellungsgespräch einladen würde. Kurzerhand fuhr ich Mitte Mai nach Deidesheim. Schon als ich dort ankam, war klar: Hier fühle ich mich wohl. Das Vorstellungsgespräch verlief sehr gut. Sie wollten mich unbedingt als Auszubildende. Das Kuriose war: SIE stellten sich MIR vor, nicht umgekehrt. Für sie war klar, dass ich dort anfangen sollte. Es war ein toller Tag. Ich habe mich dann für diese Ausbildungsstelle entschieden.

Wie hast du den Wechsel erlebt vom gut bezahlten Teamleiter-Job zurück auf die Schulbank?

Ich hatte mich ja vorher schon eingeschränkt und mich ein bisschen auf Minimalismus fokussiert. Grundsätzlich war es für mich kein Problem. Dann gab es eben mal zwei Jahre weniger Shoppen. Ich habe auch aufgehört zu rauchen. Am Anfang wohnte ich ziemlich günstig in einer WG, aber dann merkte ich doch, dass das nichts mehr für mich war. Ich fand eine eigene kleine Wohnung und hatte alles, was ich brauchte, auf 40 qm. Das einzig Komische war, wieder in der Schule zu sitzen mit 16-20-jährigen MitschülerInnen. Aber sie haben mich super aufgenommen. Es war eine top Gemeinschaft. Und natürlich musste ich mich erst wieder daran gewöhnen, zu lernen. Aber da mich die Themen wirklich interessierten, habe ich es gerne gemacht.

Wer hat dich auf diesem Weg unterstützt?

Meine Eltern. Sie haben mich sehr unterstützt, sowohl mental als auch finanziell. Klar hatte ich Schwierigkeiten, mit 33 Jahren noch mal Geld von den Eltern zu bekommen. Doch sie wollten wirklich, dass ich eine Arbeit finde, die mir Spaß macht. Da hatte ich großes Glück. Meinem damaligen Partner Axel bin ich auch sehr dankbar, dass er diesen Neuanfang so toleriert und mitgetragen hat. Und allen Freunden, die mir Mut gemacht haben und meinen Weg unterstützten.

Auf einer Skala von 1 (gar nicht) bis 10 (absolut): Wie nah bist du deinem Traumjob gekommen?

Eine zehn. Es macht einfach Spaß in dieser Welt des Weines. Klar, gibt es Tage, die stressig sind, auch körperlich. Oder auch Konflikte, die es in der Ausbildung gab. Das waren schon Dämpfer. Aber darüber bin ich hinweg und kann damit umgehen.

Das ist schön, das so deutlich zu hören. Rückblickend betrachtet, war das der richtige Zeitpunkt für dich zum BerufungsCoaching?

Das BerufungsCoaching war die beste Entscheidung, die ich machen konnte. Es hat mir sehr dabei geholfen, einen neuen Weg zu gehen. Zum anderen denke ich manchmal: Ich hätte es früher machen sollen. Aber vielleicht hätte ich es dann nicht so durchgezogen, wie jetzt. Vielleicht wäre ich zu diesem Zeitpunkt noch nicht bereit gewesen. Letztendlich sage ich heute für mich: Katja kam genau zur richtigen Zeit!

Wem würdest du ein BerufungsCoaching empfehlen?

Allen, die mit ihrem Job unzufrieden sind und sich den ganzen Tag darüber aufregen. Denen kann ich nur Mut machen und sagen: Wenn ihr allein nicht weiterkommt, holt euch Unterstützung von außen. Die Investition lohnt sich. Ich bin glücklich mit meinem Leben und Job. Ich liebe die Pfalz. Ich habe wahnsinnig tolle Leute kennengelernt. Mein Tipp auch an die Leser: Verplant nicht euer Leben bis ins kleinste Detail. Lasst euch Freiheiten, um Impulsen zu folgen. So habe ich dann auch meinen jetzigen Job gefunden.
Und: manchmal ist es auch wichtig, dass sich eine Tür hinter dir schließt. Im Vertrauen darauf, dass sich eine neue Tür öffnet.

Liebe Ariane, vielen Dank für deine Offenheit und dass du deine Erfahrungen mit uns und den Lesern der Montags-Impulse geteilt hast.

Ganz lieben Dank auch an dich, liebe Jessica, für diesen weiteren wertvollen Beitrag. 

Ich wünsche dir, als Leser, den Mut deinem Herzen zu folgen,
Katja

 

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