Wie dein inneres Team dir helfen kann, Herausforderungen zu meistern …

Montags-Impuls_ Inneres Team

Vor zwei Wochen war ich auf einem Yoga Retreat, bei dem es um Veränderung und Wachstum ging. In einer Coaching-Session ging es darum, uns einer aktuellen Herausforderung zu stellen und uns innerlich zu sortieren, um mehr Klarheit dafür zu gewinnen.

Dein inneres Team

Dabei kam eines meiner Lieblings-Persönlichkeitsmodelle zur Anwendung – das innere Team von Friedemann Schulz von Thun. Die Metapher des Teams erleichtert es die verschiedenen inneren Anteile, die unsere Persönlichkeit auszeichnen, wahrzunehmen und darzustellen.

In herausfordernden Situationen oder vor schwierigen Entscheidungen durchlaufen wir mehr oder weniger bewusst einen inneren Prozess – quasi eine innere Teamsitzung. Dabei melden sich die verschiedenen inneren Anteile bzw. Teammitglieder zu Wort. Doch genauso, wie in einem Team mit anderen Menschen herrscht auch in unserem Inneren nicht immer Einigkeit.

Die verschiedenen Anteile repräsentieren unsere Erfahrungen und enge Bezugspersonen, die unser Leben geprägt haben, wie z.B. Eltern und PartnerInnen, oder auch Mentoren. Selbst die Werte unseres beruflichen Umfeldes oder unseres Freundeskreises spiegeln sich in der ein oder anderen Stimme wider.

Diese „innere Pluralität“ kann sehr anstrengend sein. Mitunter führt das zu inneren Konflikten, einem innerlichen Hin- und Hergerissensein. Das wiederum kann unser Verhalten und Handeln blockieren. Dabei können wir – wie im wahren Leben – an diesen (inneren) Konflikten wachsen und uns mit „vereinten Kräften“ neue Möglichkeiten eröffnen und Wege ebnen.

Die Herausforderung

Um den Mehrwert der Übung zu veranschaulichen, möchte ich gern ein persönliches Beispiel mit dir teilen, an dem ich die Wirkung selbst erfahren durfte. Versuche einmal beim Lesen, weniger das Inhaltliche zu bewerten. Das sind die Stimmen meiner eigenen Anteile und womöglich würde dein inneres Team ganz anders auf die Situation reagieren. Mir geht es vor allem darum, dir den Prozess der Selbstklärung zu verdeutlichen.

Im Juni sollte ich erstmals einen Großgruppen-Workshop mit über 100 Talenten bzw. (Nachwuchs-)Führungskräften zum Thema „Purpose“ (also Sinn, Zweck der Existenz … ) moderieren, gemeinsam mit meiner lieben Kollegenfreundin Angela Zinser.

Natürlich hat der mutige Anteil in mir diese Chance ohne zu zögern angenommen. Doch je näher der Termin rückte, desto größer wurden die innere Anspannung und die altvertrauten Zweifel.

Das Yoga Retreat und die Coaching Session zum inneren Team kam genau zum richtigen Zeitpunkt. Ich konnte innehalten und mir bewusst die Zeit nehmen, um in mich hinein zu hören, welche Stimmen beim Gedanken daran, vorn auf der „Bühne“ zu stehen, auftauchen.

Die inneren Stimmen

Völlig überraschend war das erste Gefühl, das beim Hinspüren auftauchte, nicht meine bekannte Redeangst, sondern Melancholie. Zunächst konnte ich dieses Gefühl nicht einordnen, warum es da ist. Doch je mehr ich der Traurigkeit Raum gab, desto klarer wurde, dass es darum geht: „Ich fühle mich nicht verstanden.“ Dass ich meine Botschaft noch nicht klar genug in Worte fassen kann.

Nachdem ich diesem Gefühl und seinem Ursprung meine Aufmerksamkeit gewidmet habe, wurde eine weitere Stimme laut – die Chancennutzerin. Sie posaunte: „Das ist deine Chance das Thema Purpose und Sinn stärker in die Unternehmen zu bringen.“

Sofort meldete sich ein weiterer Impuls – Die Kleinrednerin: „Was glaubst du, wer du bist? Das was du zu sagen hast, ist doch banal.“

Es war total spannend diesem inneren Dialog – quasi als Teamleiter – offen zu lauschen, ohne die Stimmen zu unterdrücken oder zu bewerten. Jedes einzelne Teammitglied anzuerkennen und die positive Absicht jedes Anteils wertzuschätzen.

Die Kleinrednerin wurde von der Herzöffnerin besänftigt: „Ich will die Menschen wahrhaftig im Herzen berühren.“ Bei geht es weniger darum, was ich sage, sondern warum und wie ich es sage.

Natürlich kam auch der Angsthase zu Wort: „Ich habe Angst, dass meine Stimme versagt oder ich einen Blackout habe?“ Ein altbekannter und hartnäckiger Begleiter.

Auch darauf meldete sich noch ein Anteil, eher leise und unaufgeregt doch sehr beruhigend. Ich habe ihn die Weisheit genannt: „Du bist geführt, vertraue in dich.“

Diese Selbstreflexion war bereits unglaublich aufschlussreich und klärend für mich. Einen weiteren wertvollen Impuls habe ich aus der Gruppe bekommen. Eine Teilnehmerin spiegelte mir zurück, dass sie einen hohen Leistungsdruck wahrnimmt, wenn ich über die Situation spreche. OH JA! Etwas, das mir so selbstverständlich erscheint, dass ich es gar nicht mehr explizit benenne. Dennoch reagierte mein System auf diesen inneren Druck mit Widerstand und blockierte die notwendigen Vorbereitungen.

Die Wirkung

Was hat diese Übung für mich bewirkt?

Direkt nach der Coaching Session hat es sich angefühlt, als ob eine riesige Last von meinen Schultern purzelte. Dank dieser Selbstklärung nahm ich Erleichterung und Vorfreude mit Blick auf meine Herausforderung wahr. Auch der Widerstand löste sich auf.

Am Tag des Workshops war ich überrascht, wie ruhig und gelassen ich geblieben bin – konzentriert und aufmerksam und dennoch im Vertrauen. Ja, das Herzklopfen war deutlich spürbar, doch es machte mir keine Angst. Es war für mich eher ein Zeichen für Lebendigkeit und dass mir dieser Moment, wirklich wirklich wichtig ist – mir am Herzen liegt.

Ich habe mich von dem Anspruch gelöst, jede Person im Raum zu überzeugen. Doch die Resonanz nach den Übungen sowie das sichtbare Berührtsein und das Strahlen in den Augen vieler Teilnehmer*innen hat mir das Gefühl gegeben: Das haben wir gut gemacht.

Du bist der Dirigent deiner Lebensmelodie

Unser sichtbares Verhalten ist das Ergebnis eines inneren Prozesses – bewusst oder unbewusst.

Probiere es selbst einmal aus, wenn du vor einer Herausforderung oder Entscheidung stehst. Höre und spüre in dich hinein. Nimm‘ jedes einzelne Teammitglied wahr. Schreibe auf, was sie zu sagen haben und gib‘ jedem Anteil einen Namen. Wertschätze die positive Absicht jedes Teammitgliedes. Mache dir bewusst, welche Anteile miteinander oder gegeneinander wirken. Und dann stell‘ dir vor, du bist der „Dirigent dieses Orchesters“: Welchen Anteilen möchtest du mehr „Spielraum“ geben? Welche dürfen zeitweise etwas leiser spielen?

Im Miteinander deiner vielseitigen Anteile entfaltet sich deine authentische Lebensmelodie.

Ich wünsche dir, dass du deinen inneren Teammitgliedern ein offenes und wertschätzendes Ohr schenkst,

Katja

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