Sich zuMUTen. Tragfähige Beziehungen brauchen Mut, sich Raum zu nehmen

Montags-Impuls #391 ZuMUTung

Wann hast du dich zuletzt jemandem wirklich zugemutet?

Mit dem, was du denkst.
Mit dem, was du fühlst und wahrnimmst.
Mit deinen Fragen.
Mit deinen Bedürfnissen.
Mit deinen unfertigen Ideen.
Vielleicht sogar mit deinem Gewicht.

Zumutung verbinden wir häufig mit Menschen, die zu viel Raum einnehmen. Die laut sind. Die ihre Meinung ungefragt kundtun. Die Grenzen überschreiten oder andere mit sich und ihren Bedürfnissen vereinnahmen.

Doch in letzter Zeit beschäftigt mich eine andere Form der Zumutung.

Die Zumutung der Leisen

Der Menschen, die häufig erst einmal beobachten.
Die zuhören und innerlich abwägen, bevor sie sprechen.
Die ihre Fragen, Gefühle und Bedürfnisse zurückhalten, weil gerade nicht der passende Moment ist.
Die ihre Wahrnehmung relativieren: Vielleicht sehe nur ich das so.
Die lieber Platz machen, bevor sie selbst welchen beanspruchen.

Kennst du das?

Meine jüngste Lektion dazu kam (wie so oft) nicht aus einem Podcast oder Buch, sondern aus meinem Körper.

Beim Contact Improvisation.

Contact Impro lebt davon, Gewicht miteinander zu teilen. Mich anzulehnen. Mein Gewicht tatsächlich abzugeben. Darauf zu vertrauen, dass mein Gegenüber damit umgehen kann und zugleich wahrzunehmen, wie viel gerade möglich ist.

Mein Reflex ist dabei, mich eher etwas leichter zu machen.
Nicht zu viel sein.
Nicht zu überfordern.
Mich eher selbst zu halten.

Das praktiziere ich oft im Alltag.

Das Interessante daran:
Für mein Gegenüber wird es dadurch nicht unbedingt leichter.
Im Gegenteil.

Wenn ich mein Gewicht nur teilweise abgebe, mich nicht klar zeige, bleibe ich schwer einschätzbar. Mein Gegenüber weiß nicht genau, wo ich bin, wohin sich meine Bewegung entwickelt und worauf es sich verlassen kann.

In dem Moment, in dem ich mich wirklich zumute, werde ich nahbarer und greifbarer.
Ich lande.
Ich werde spürbar.
Und daraus kann echter Kontakt entstehen.
Eine tragfähige Verbindung und Beziehung.

Perspektivenvielfalt

Seitdem frage ich mich, ob das nicht auch für unser Miteinander gilt.
Wir brauchen die sanftMUTigen Menschen, die lernen, ihren Raum einzunehmen.

Die sagen:

Ich nehme gerade etwas wahr.
Ich habe dazu eine Frage.
Ich sehe es anders.
Mich berührt das.
Ich brauche etwas anderes.

Nicht, weil die eigene Perspektive wichtiger wäre als die der anderen.
Sondern weil sie Teil des gemeinsamen Raumes ist.
Wenn wir sie zurückhalten, fehlt etwas.

Ein gutes Miteinander bedeutet nicht, möglichst wenig zur Zumutung für andere zu werden.
Sondern immer wieder zu erkunden:
Wie können wir uns einander auf eine gute und dienliche Weise zuMUTen?

Mit unserer Wahrnehmung.
Mit unseren Fragen.
Mit unseren menschlichen Bedürfnissen.
Mit unserem Wesen.
Mit unserer Stimme.
Mit unseren Fähigkeiten.

Nicht lauter, als wir sind.
Aber auch nicht leiser.

Dafür braucht es die Portion MUT, der mitten in der ZuMUTung steckt.

Montagsfrage

Wo hältst du dich gerade noch selbst (zurück), obwohl du dich etwas mehr zuMUTen könntest?
Und was könnte entstehen, wenn du dich ein bisschen mehr in den gemeinsamen Raum gibst?

Ich wünsche dir die Erfahrung, einen Moment wirklich gesehen, gehört und getragen zu werden.

Alles Liebe, Katja

P.S. Save-the-Date: 3. Oktober | 8 p.m. – 1:30 a.m. | SHE*MOVES | Koralle Dresden. Folge unserer Konnektiv62 Telegram Gruppe oder unserem Instagram Kanal für mehr Infos.

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