Nachhaltig reisen. Wir haben die Wahl für mehr Klimabewusstsein

Montags-Impuls Nachhaltig reisen

Einer meiner zentralen drei Werte ist Nachhaltigkeit (neben Vertrauen und Verbundenheit). Daher ist das für mich natürlich auch ein wesentlicher Aspekt auf unserer Reise. Schon im Vorfeld habe ich mich damit auseinander gesetzt, wie wir unsere Familienzeit möglichst umweltverträglich gestalten und nachhaltig reisen können.

Nachhaltig reisen: Unterwegs auf vier Rädern?

Die lange Fahrt mit einem VW Bus, der Diesel tankt, ist per se alles andere als nachhaltig. Vor einigen Jahren hätte ich mich wahrscheinlich sogar für einen Fernflug nach Asien entschieden. Ich möchte nicht ausschließen, dass wir das nochmal machen, wenn wir mindestens sechs Wochen Reisezeit haben. Ich liebe das Reisen und möchte Mika, die Welt zeigen, sie mit ihm gemeinsam neu entdecken. Dafür haben wir uns dieses Mal für den Camper entschieden. Das ist vergleichsweise nachhaltiger.

Zudem üben wir uns in Slow Travel: Länger an einem Ort bleiben. Benzinsparend fahren. Vor Ort öffentliche Verkehrsmittel nutzen oder zu Fuß zum nächsten Ort spazieren.

Wir haben uns entschieden, unsere gefahrenen Kilometer und die zwei Fährfahrten zu kompensieren, um möglichst CO2 neutral zu reisen. Bis dato sind wir 2.400 km mit unserem VW Bus gefahren. Über quarks.de konnten wir berechnen, dass das bei einem PKW, der Diesel tankt, etwa 525 kg CO2 Ausstoß bedeutet. Für den VW Bus mit Gepäck werden wir am Ende der Reise großzügig aufrunden und die CO2 Kompensation über atmosfair.de für Klimaschutzprojekte spenden.

Naturnah und familiär campen

Bei der Auswahl unserer Stellplätze bevorzugen wir naturnahe und kleinere, familiäre Campingplätze. Bei der Auswahl unserer Stellplätze bevorzugen wir naturnahe und kleinere, familiäre Campingplätze. Die Natur wird zum Spiel- und Gestaltungsraum für Mika. Das beobachten wir von Woche zu Woche mehr.

Am Gardasee hat uns Camping Navene besonders gut gefallen.
Auf Korsika war unser Familien-Favorit Camping Tizzarella.

Generell verbrauchen wir beim campen viel weniger Ressourcen als in unserer großzügigen Wohnung zuhause. Dort haben wir den Kühlschrank abgetaut, alle Geräte vom Strom genommen und die Heizung abgedreht. Ich liebe die Einfachheit beim Campen, die gleichzeitig auch ressourcenschonend ist, vorausgesetzt man agiert unterwegs nachhaltig.

Solarstrom

Unseren Strom für den Laptop, Handys und öfter auch die Kühltruhe generiert die Sonne. Wir haben uns für ein mobiles Solarpanel und gegen eine fest auf dem Dach installierte Lösung entschieden. Schließlich wollen wir mit dem Camper im Schatten parken.

Dazu haben wir eine tragbare Powerstation, um Strom zu speichern, wenn es mal schattig ist. Klar refinanziert sich das Solarpanel nicht direkt auf dieser Reise, doch wir betrachten das ja auch nicht rein ökonomisch.

Trinkwasser

In Tirol, am Gardasee und auf Korsika gibt es viele Trinkwasserbrunnen. Für unterwegs haben wir zwei Trinkflaschen dabei. Über die App Refill findet sich eine Möglichkeit zum Nachfüllen unseres Trinkwasserkanisters. Ein paar Trinkwasserstationen haben wir dort auch hinzugefügt. Mir ist unverständlich, warum so viele Plastikflaschen in den Müllcontainern der Campingplätze landen. Neben dem Plastikmüll kostet das auch zusätzliches Geld.

Korsika ist auf den Campingplätzen vorbildlich in Sachen Wasserverbrauch. Alle Wasserhähne stoppen nach ein paar Sekunden. Maximal eine halbe Minute läuft die Dusche. Dadurch bin ich selbst auch konsequenter, das Wasser beim Einseifen auszulassen. Das spart jede Menge Wasser.

Hygiene & Schönheit

Natürlich nutzen wir unterwegs auch die nachhaltigen Produkte, die wir zuhause haben:

Zum Abwaschen verwenden wir Naiked Spülseife und Öko-Spülschwämme von Sonett.

Für die Körperpflege nutze ich von Foamie festes Shampoo, Conditioner, Dusch– und Gesichtsseife. Auch Mika hat eine feste Seife. Für unterwegs habe ich mir einen Seifenbehälter von Foamie besorgt.

Wir haben unsere Bambus-Zahnbürsten dabei.

Bei der Zahnpasta sind wir momentan bei Colgate Smile for Good gelandet. Von Zahnpasta-Tabletten und fester Zahncreme bin ich noch nicht überzeugt.

Make up habe ich selten genutzt. Überhaupt mag ich die natürliche Schönheit der Menschen. Vor allem wenn wir viel Zeit draußen in der Natur verbringen, strahlen wir wieder mehr von innen. Beim Blick in den Spiegel möchte ich der sonnengebräunten Haut und den leuchtenden Augen momentan gar nichts hinzufügen.

Proviant auf Vorrat

Für die Reise haben wir eine Kiste mit Vorräten aus unserem Lieblings-Unverpacktladen Quäntchen gepackt: Rote Linsen, Belugalinsen, Kichererbsen, Reis, Grünkern, Gewürze, Haferflocken, Puddingpulver, Milchreis. Auch Kartoffeln aus eigener Ernte haben wir dabei.

Ohne Verpackungsmüll kommen wir leider nicht aus. Die romantische Vorstellung alles auf den Wochenmärkten in Italien oder Frankreich zu kaufen, geht sich logistisch nicht aus. Wir sind meist nicht in Stadtnähe, sondern inmitten der Natur. Daher kaufen wir unterwegs zum nächsten Campingplatz ein. Für den Einkauf haben wir natürlich einen Rucksack und Stoffbeutel dabei. Obst und Gemüse kaufen wir lose. Dennoch füllen die Verpackungen von Käse, Jogurt, Snacks & Co. unseren Müllsack von Wildplastic.

Ein gefülltes Fuck up ist die Mülltrennung. Gerade als ich unsere einigermaßen gut getrennten Verpackungen, Bio- und Restabfälle entsorge, fährt die Müllabfuhr vorbei und alles wandert zusammen rein. Das zeigt mir die Grenzen meines Einflussbereichs.

Milch

Zuhause sind die Hafermilch-Tetrapacks unsere größte Plastikmüllsünde. Die haben wir dank einem Tipp gegen drei Tüten Hafermilchpulver von Blue Farm ausgetauscht und hatten so mit Trinkwasser angerührt 24 Liter leckere Hafermilch für unseren Kaffee und die Frühstücks-Cerealien dabei. Mit viel Geduld habe ich versucht Mika davon zu überzeugen. Er probiert den Haferdrink öfter und kann damit im Pudding und Griesbrei leben. Doch bei den Frühstücks-Cerealien besteht er weiterhin auf Kuhmilch bzw. „Kuhverschwendung“ wie er es selbst nennt. Immerhin dieses Bewusstsein ist da.

Überwiegend vegan/vegetarisch

Ich selbst ernähre mich ja seit Anfang des Jahres vegetarisch, bevorzugt vegan. Meine Jungs essen hier und da schon mal Fleisch und das empfinde ich auch nicht als problematisch. Da ich diejenige bin, die am liebsten kocht (inspiriert von One Pot vegetarisch/vegan) gibt es kein Fleisch in der Campingküche, sondern nur im Restaurant. Mein Ansatz ist es von Mahlzeit zu Mahlzeit Alternativen für tierische Produkte anzubieten. Jede vegetarisch/vegane Mahlzeit ist in meinen Augen ein kleiner Beitrag für Mutter Erde.

Kleidung

Ein wesentlicher Aspekt der Nachhaltigkeit ist ja der Konsum jenseits von den Notwendigkeiten des (Reise-)Alltags. Dabei haben wir uns schon aufgrund des Reisebudgets eingeschränkt. Im Vorfeld habe ich mir (erstmals nach 10 Monaten) ein paar Schuhe von Natural World und fünf neue Kleidungsstücke gegönnt, natürlich nachhaltig von Unipolar.

Gefühlt bin ich nur in diesen fünf Teilen unterwegs gewesen: ein Hoodie, ein schwarzes Basic-Kleid, eine Leggins, ein Tanktop und eine Shorts. Auch das fällt leichter beim Campen als im schicken Hotel oder Städteurlaub. Instagram Influencerin bin ich auch nicht 😉

Darüber hinaus sind wir mit allen Klamotten ausgekommen, die wir schon im Schrank hatten.

Be imperfectly plant-based.
Be imperfectly plastic free.
Be imperfectly sustainable.
Because small conscious changes
are better than none at all.
(Unbekannt)

Dennoch bei all diesen kleinen Schritten für mehr Nachhaltigkeit bleibt die Gewissheit, dass individuelle Bemühungen allein nicht ausreichen, um die Klimawende herbeizuführen. Es braucht die großen Hebel der Politik und Wirtschaft, um wirklich etwas grundlegend zu verändern.

Klimabewusst wählen

Was wir uns trotz der Reise nicht nehmen lassen, ist unser Wahlrecht. Wir haben rechtzeitig online unsere Briefwahlunterlagen bestellt und Freunde haben diese mit nach Korsika gebracht sowie zuhause in den Briefkasten geworfen.

Wir als Familie wählen grün und damit eine der großen Parteien, welche Klimabewusstsein zur Priorität macht. Denn auch wenn wir stets bemüht sind, die Klimakrise lässt sich nicht individuell, sondern nur kollektiv mit systemischen Lösungen bewältigen. Vieles, was Einzelne aus Verantwortungsgefühl tun, könnte von der Politik gefördert werden und mehr Wirksamkeit entfalten.

An der Stelle möchte ich den Geschäftsführer von Campact, Christoph Bautz, zitieren:

„Seid euch bewusst, wie wahnsinnig entscheidend diese Wahl fürs Klima ist. Sie ist die letzte, mit der wir das Klimaziel des Pariser Klimaabkommens noch einhalten und eine Klimakatastrophe aufhalten können.
Zweitens: Schaut genau hin, was die Parteien für den Klimaschutz fordern. Denn die Unterschiede bei den konkreten Plänen, die sie nach der Wahl umsetzen wollen, sind gewaltig. Und entscheidend dafür, ob wir die Klimawende noch schaffen.“

Darüber hinaus geht es darum, die über 60-jährigen (38% der Wahlberechtigten) für die langfristigen Konsequenzen ihrer Stimme zu sensibilisieren, z.B. mithilfe der Enkelkinderbriefe. Die über 60-jährigen haben zusammen dreimal so viele Stimmen, wie die unter 30-jährigen in Deutschland. Natürlich können wir die ältere Generation nicht über einen Kamm scheren. Ich kenne viele „Ökos“, die lange vor Fridays for Future nachhaltig gelebt haben. Doch nicht nur einmal habe ich den Satz von älteren Menschen gehört: „Das erleben wir doch nicht mehr!“, selbst von Großeltern mit drei Enkelkindern. Die nächsten 10 Jahre sind alles entscheidend. Gerade mal ein Jahrzehnt bleibt uns, um einen enormen Kraftakt zu vollbringen. Zehn Jahre, in denen ich mir wünsche, dass sich diese älteren Mitmenschen noch guter Gesundheit und an ihren Enkelkindern erfreuen. Im besten Fall in einer sich regenerierenden Natur, ermöglicht unter anderem durch ihre Stimme.

Globaler Klimastreik

Diesen Freitag, am 24. September ruft auch Fridays for Future zum globalen Klimastreik auf. Wenn wir auf die letzten Jahre zurückblicken, dann hat diese Bewegung bereits viel zum Klimabewusstsein beigetragen. Dennoch klafft noch eine riesige Lücke zwischen Wissen und Handeln. Diese Wahl ist historisch und auch der 24. September könnte in die Geschichte eingehen, wenn wir vereint über alle Generationen, sozialen Hintergründe und politischen Gesinnungen hinweg für das Klima auf die Straße gehen.

Meine Lektüre zum Thema Klimabewusstsein

Zwei am Puls der Erde (*Werbung) von Theresa Leisgang und Raphael Thelen. Die Angst vor der Klimakrise überschattet immer mehr ihren Alltag. Deshalb brechen Theresa Leisgang und Raphael Thelen zur größten Reise ihres Lebens auf: von Südafrika bis zum nördlichen Polarkreis, 20.000 Kilometer über Land, einmal quer durch alle Klimazonen. Sie wollen herausfinden: Wie gehen Menschen schon heute mit der Klimakrise um? Und was können wir tun?

Ich wünsche uns, dass wir die Chance nutzen, um Klimabewusstsein zu wählen,
Katja

P.S. Alle Links außer der Buchempfehlung sind unbezahlte Werbung rein aus persönlicher Erfahrung.

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