Im Moment wünschte ich mir, die Dinge würden sich einfacher klären und bewegen.
Eine Rückmeldung. Eine Entscheidung. Ein Zeichen, wie es weitergeht.
Doch das Leben scheint momentan anders zu funktionieren.
Es lädt uns ein, in Zwischenräumen zu verweilen.
In Ungewissheit. In offenen Fragen. In Spannungen.
In der Spannung stehen
Ein Begriff, der mir dafür in letzter Zeit oft begegnet, ist Spannungsbeinhaltungskompetenz – also die Fähigkeit, Spannungen zu halten, ohne vorschnell mit kurzsichtigem Aktionismus zu reagieren oder aus ihnen auszusteigen.
Nicht sofort klein beizugeben.
Nicht sofort einen faulen Kompromiss zu schließen.
Nicht sofort das Handtuch zu werfen.
Sondern standhaft zu bleiben.
Den inneren Raum weit offen zu halten für das, woran wir von ganzem Herzen glauben.
Vielleicht kennst Du das auch:
Eine Entscheidung, die noch in der Luft hängt.
Eine Beziehung, in der Herz und Verstand Unterschiedliches sagen.
Ein Job, der Dich gleichzeitig trägt und zweifeln lässt.
Eine Idee, die in Dir lebendig ist, doch noch keinen fruchtbaren Boden findet.
Zwischen dem Alten, das nicht mehr ganz passt, und dem Neuen, das sich erst zeigt, liegt oft genau dieser Spannungsraum. Ein Raum, in dem Entwicklung möglich wird.
Andere Wege gehen
Gerade erleben wir das als Familie sehr konkret.
Wir warten seit Wochen auf die Rückmeldung zum möglichen Schulwechsel von Mika. Und mit jedem Tag wächst diese Spannung zwischen Hoffen, Zweifel und dem Wunsch nach Klarheit.
Und doch spüren wir: Es lohnt sich, einen weiteren Anlauf zu wagen. Dranzubleiben. Für das einzustehen, was sich für Mika stimmig anfühlt – auch wenn der sicher geglaubte (Aus-)Weg sich noch nicht öffnet.
Dabei merke ich auch: Nicht jede innere Unruhe lässt sich einfach wegatmen, wegmeditieren oder wegorganisieren. Natürlich helfen uns all diese Werkzeuge zur Selbstregulation, wieder Boden unter den Füßen zu finden. Aber manchmal reagiert unser Nervensystem schlicht sehr klar auf Bedingungen, die sich nicht richtig anfühlen.
Diese Unruhe ist kein Zeichen von persönlichem Versagen, sondern ein Hinweis:
So, wie es gerade ist, passt es nicht (mehr).
Spannung zu halten heißt nicht, passiv zu warten oder sich nur selbst zu beruhigen.
Manchmal heißt es auch, genau hinzulauschen:
Hilft mir meine innere Beruhigung, wieder mitfühlend und kraftvoll zu handeln?
Oder hilft sie mir nur, Zustände auszuhalten, die eigentlich verändert werden wollen?
Unser Körper ist oft klüger, als wir denken.
Manchmal beginnt Veränderung genau dort, wo wir aufhören, seine Signale wegzudrücken.
Wir sind viele
Wir spüren diese Spannungen gerade nicht nur im Persönlichen, sondern auch im Großen. In gesellschaftlichen Debatten, in politischen Entwicklungen, in der Frage, wie wir künftig zusammenleben wollen.
Was wir im Persönlichen und Kleinen üben können – zuzuhören, Spannungen auszuhalten, nicht vorschnell zu verhärten oder auszuweichen – wirkt auch nach außen. In der Art, wie wir im Alltag miteinander umgehen und Räume offen halten für andere und neue Lösungen.
Diese Zeit ruft nicht nach schnellen Lösungen.
Sondern danach, präsent zu bleiben in dem, was noch ungeklärt ist. Ernst zu nehmen, was in uns nach Veränderung ruft. Den Raum weit und offen zu halten für das, was tatsächlich entstehen will.
Wo in Deinem Leben zeigt sich gerade so ein Spannungsraum?
Und was möchte dort wirklich gehört oder bewegt werden?
Sei Dir gewiss, Du bist nicht allein!
Wir sind viele.
Ich wünsche Dir eine Woche mit Mut zum Dranbleiben, mit wachem Herzen — und mit Vertrauen in das, was sich gerade formen will,
Katja


