Raus aus der Zwickmühle. Das Tetralemma

Montags-Impuls_Zwickmühle

In der Zwickmühle, auch ein Dilemma genannt, stecken wir, wenn wir uns zwischen zwei Möglichkeiten entscheiden müssen: A oder B, Ja oder Nein, Dies oder Das? Dabei kann es sich um berufliche, persönliche oder private Fragestellungen handeln.

Das Dilemma entsteht, wenn beide Optionen entweder gleichermaßen attraktiv bzw. unangenehm erscheinen oder wir in einen Wertekonflikt geraten. Es gibt also verschiedene Auswege, doch wir tun uns schwer, einen der beiden Wege einzuschlagen. Was ist, wenn sich der andere Weg im Nachhinein doch als die bessere Wahl herausstellt!?

In Entscheidungssituationen wie dieser hilft das Tetralemma.

Das Tetralemma

Dieses Tool ist mein Liebling unter allen Entscheidungswerkzeugen, die ich im Laufe meiner Coachingtätigkeit kennengelernt habe. Es dient dazu bessere Entscheidungen zu treffen, indem wir die beiden Optionen umfassender betrachten und neben der mentalen, rationalen Ebene auch die Körperfühlebene einbeziehen.

Es braucht etwas Zeit (ca. 30 Minuten) und ausreichend Platz im Raum, 5 Karten und einen Stift. Ideal ist, wenn du eine Person an deiner Seite hast, die dich durch diesen Prozess begleitet, so dass du dich ganz auf dein Erleben konzentrieren und einlassen kannst. Das kann ein Coach sein, muss allerdings nicht.

Bereite dich gern anhand eines konkreten Beispiels vor:
In welchem Bereich deines Lebens steht eine Entscheidung an, bei der du dich in der Zwickmühle fühlst?

Die Zwickmühle: Das Eine oder das Andere

Zunächst einmal betrachtest du die beiden Möglichkeiten: A oder B.

Das Eine (A) ist die näherliegende Option.
Das Andere (B) ist die Option, die dem gegenüber steht.
Wähle ein Schlagwort für die jeweiligen Optionen

Schreibe “das Eine” auf die erste Karte, “das Andere” auf eine zweite Karte.

Sowohl als auch

Jetzt kommt eine weitere Option C ins Spiel, die wir im Schwarz-Weiß-Denken gern übersehen:
Beides, also A und B.

Denn ganz ehrlich, das Leben ist nicht nur grau, sondern bunt.
Und ich bin eine große Verfechterin von “sowohl-als-auch” statt “entweder-oder”.

Schreibe “Beides” auf die dritte Karte, ohne groß darüber nachzudenken, wie das aussehen könnte. Das kommt später.

Keines von beiden

Genau genommen gibt es noch eine vierte Option D: Keines von beiden. Wer sagt denn, dass du dich für eine der beiden Möglichkeiten entscheiden MUSST? Du könntest auch beide abwählen, weder A noch B. Womöglich gibt es noch eine ganz andere Alternative oder du entscheidest dich erstmal gar nicht. Dafür dient die vierte Karte, auf die du “Keines von beiden” schreibst.

Bleibt eine Karte übrig!?

All dies nicht und auch das nicht

Die fünfte Karte ist eine Art Joker. Dabei geht es darum, aus dem Entscheidungsraum herauszutreten und eine losgelöste Metaposition einzunehmen. Hier ist und soll alles möglich sein. Dabei geht es darum, sich auch das zu erlauben, was bisher unmöglich erschien bzw. sich zumindest in diesem Setting dafür zu öffnen. Diese Option E, also “All dies nicht und auch das nicht” schreibst du auf die fünfte Karte.

Die Aufstellung

Das Tetralemma wird als systemische Aufstellung mit Bodenankern, also den Karten, durchgeführt. Diese Methode wurde von Insa Sparrer und Matthias Varga von Kibéd (*Werbung) basierend auf der indisch-buddhistisch geprägten Logik entwickelt.

Es geht nicht darum, direkt eine finale Entscheidung zu treffen. Ziel ist es deinen Entscheidungs- und Handlungsraum zu erweitern und den verschiedenen Optionen einen Platz in diesem Raum zu geben.

Daher nimm die Karten nacheinander in die Hand und lege sie auf den Boden über Kreuz. Die fünfte Karte bekommt eine Außenposition etwa einen Meter entfernt. Achte darauf, dass du ausreichend Platz hast und dich bei dieser Aufstellung nicht beengt fühlst.

Alles ist vorbereitet.
Idealerweise hast du eine Begleitperson an deiner Seite.
Stell’ dich dann nacheinander auf die 5 Karten.
Beginne mit “das Eine.”

Der Modus

Nimm dir Zeit, um dich voll und ganz auf jede Option einzulassen.
Stell’ dich dafür entspannt und mittig AUF die Karte.
Schließe gern deine Augen, so dass du besser in dich hinein spüren und lauschen kannst.
Konzentriere dich auf dein Körperempfinden, wenn du auf der Karte stehst.
Es geht weniger darum nachzudenken, wie die Position (z.B. Beides) konkret ausschauen könnte, sondern zu spüren, wie sich diese Position für dich anfühlt.

Die Fragen

Stell’ dir folgende Fragen, oder lasse sie dir stellen.
Wenn du eine Person an deiner Seite hast, kann diese gern notieren, was du auf den jeweiligen Karten wahrnimmst.

Wie stehst du auf (bzw. zu) dieser Option/Position?
Was empfindest du körperlich, wenn du dich voll und ganz auf diese Option einlässt?
Welche Empfindungen nimmst du wahr?
Dann lass’ ein Bild vor deinem inneren Auge auftauchen, dass diese Option versinnbildlicht.
Welche Gefühle löst dieses Bild aus?

Nimm das alles einfach wahr, gib’ allen Impulsen Raum, ohne diese zu bewerten.

Die Auswertung

Nachdem du alle fünf Karten auf diese Art und Weise durchlaufen hast, trittst du aus dem Setting heraus.

Betrachte nochmal die verschiedenen Optionen und lass’ alle Eindrücke, die du in dieser Aufstellung gewonnen hast, wirken.

Welche Positionen haben sich positiv angefühlt, welche negativ?
Was hat sich durch diese Aufstellung verändert?
Welche neuen Erkenntnisse hast du für deine Entscheidung gewonnen?
Was ist dir klarer bzw. bewusster geworden?

“Alles, was du brauchst, um eine Zwickmühle aufzulösen ist der Mut, Veränderungen zu erlauben. Dann wird die Antwort zu dir kommen.”
(Kurt Hüsniye Karben)

Ich wünsche dir, dass du deinen Körperimpulsen in Entscheidungsprozessen mehr Aufmerksamkeit schenkst,
Katja

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